Forschung 

 Der aktuelle Forschungsstand zur PITT® befindet sich im Aufbau und wird fortlaufend erweitert. Falls Sie Interesse an einer gemeinsamen Forschungsarbeit haben, sprechen Sie uns als Fachkonferenz PITT® gerne an.

Die Psychodynamisch-Imaginative Traumatherapie (PITT®) nach Prof. Dr. med. Luise Reddemann ist ein seit vielen Jahren in der klinischen Praxis etablierter Ansatz zur Behandlung komplexer Traumafolgestörungen. Die Methode verbindet psychodynamische Konzepte mit ressourcenorientierten und imaginativen Techniken und wird insbesondere in der Stabilisierung und Behandlung hochbelasteter Patient:innen eingesetzt.

Die bislang vorliegenden Studien und Evaluationen befassen sich vor allem mit einzelnen Elementen der PITT®, wie stabilisierenden Imaginationen, der Ressourcenarbeit sowie der Anwendung im stationären Setting. Sie liefern erste Hinweise auf positive Effekte hinsichtlich Symptomreduktion, Selbstregulation und emotionaler Stabilisierung. Gleichzeitig befindet sich die empirische Forschung zur Gesamtmethode noch im Ausbau. Die nachfolgend aufgeführten Studien geben einen Überblick über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit PITT®.

Psychodynamisch Imaginative 
Traumatherapie (PITT®): Ergebnisse einer qualitativen Studie zur Behandlung komplex traumatisierter Patienten und Patientinnen

 
 Gärtner, C., Hahn, M., Rentsch, I. & Reddemann, L. (2020)

Zusammenfassung: PatientInnen mit chronischer und kumulativer personaler Traumatisierungserfahrung zeigen ein  Spektrum von Störungsbildern, die unter  dem Begriff »komplexe Traumafolgestörung« zusammengefasst sind. Insbesondere
Störungen im affektiven und interpersonellen Bereich sind bezeichnend 
für diese PatientInnen. Um den besonderen Behandlungsbedarfen schwer traumatisierter Menschen gerecht zu werden, wurde in den 1980er-Jahren die 
Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie als phasenorientiertes und mitgefühlbasiertes Verfahren konzipiert. Handlungsleitend ist das Prinzip des beidäugigen Sehens von Leid, aber auch von Ressourcen der PatientInnen. In einem 
qualitativen Studiendesign konnte gezeigt werden, dass eine therapeutische Haltung aus Würdeorientierung und Wertschätzung es den PatientInnen ermöglicht, alte Muster aus Kontrollverlust und Abhängigkeit zu durchbrechen und sich selbst mitfühlend zu begegnen. Die in der Stabilisierungsarbeit über die distanziert konfrontierende Versorgung innerer Ich-Anteile gemachte Erfahrung von Kontrolle, Selbstwirksamkeit und Distanzierungsfähigkeit führt zu einer Verbesserung der Selbstregulationsfähigkeit und affektiver und kognitiver Stabilität. Dieses bildet die Voraussetzung für die abschließende Traumakonfrontation, für Trost und Integration.

 Gärtner, C., Hahn, M., Rentsch, I. & Reddemann, L. (2020). Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie (PITT). Ergebnisse einer qualitativen Studie zur Behandlung komplex traumatisierter Patienten und Patientinnen. Trauma & Gewalt, 14 (1), 000–000. DOI 10.21706/tg-14-1-00000

Traumatische Ereignisse konnten über die Therapie so verarbeitet und integriert werden, dass sich ein Gefühl gesteigerter Lebensqualität und befriedigenderer Zukunftsperspektiven entwickelte.


 Gärtner, C., Hahn, M., Rentsch, I. & Reddemann, L. (2020). 

Therapieevaluation der Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie (PITT) im stationären Setting

Lampe A, Mitmansgruber H, Gast U, Schüssler G, Reddemann L (2008) 



Zusammenfassung: Der Langzeitverlauf von Frauen mit schwerem Missbrauch in der Kindheit nach stationärer psychodynamisch orientierter traumaspezifischen Therapie: eine naturalistische Studie.

Methode: 42 Patientinnen mit schwerem Missbrauch in der Kindheit wurden zwei Jahre nacheiner stationären psychodynamisch orientierten Psychotherapie nachuntersucht. Die Datender Patientinnen wurden vor Beginn der stationären Behandlung, nach Beendigung der stationären Therapie und zwei Jahre später erhoben. Darüber hinaus wurden im Follow-up Zeitraum belastende Lebensereignisse und die Inanspruchnahme von Therapie untersucht.

Ergebnisse: Zwei Jahre nach Therapieende waren die PTSD-Symptome Depressionswerte(d = 0.43–0.57) und die Selbstberuhigungsfähigkeit (d = 0.72) der Patientinnen signifikant verbessert, während sich die Dissoziationswerte nicht veränderten. 40% der Stichprobe zeigten einen sehr guten poststationären Verlauf (klinisch signifikante Verbesserung (RCI, GSI), wobei diese Gruppe signifikante Verbesserungen hinsichtlich depressiver, dissoziativer und tendenziell auch hinsichtlich der PTSD-Symptomatik zeigte. Bezüglich der Anzahl oder Schwere belastender Lebensereignisse konnte kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen gezeigt werden. Patientinnen, die deutliche Verbesserungen nach zwei Jahren zeigten, waren zuvor häufiger stationär in der Klinik aufgenommen.

Schlussfolgerung: Die stationäre Behandlung führt zu einer signifikanten Symptomverbesserung bei Frauen mit schwerem Missbrauch. Die Symptomverbesserung kann unter weiterführender ambulanter Psychotherapie aufrecht erhalten werden.

Lampe A, Mitmansgruber H, Gast U, Schüssler G, Reddemann L (2008). Therapieevaluation der Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie (PITT) im stationären Setting. Neuropsychiatrie 22(3): 189-97